San Pedro de Atacama

Auf 2400 Meter Höhe liegt San Pedro de Atamaca ganz oben im Norden Chiles. Es ist einer der „Hotspots“ im Land und hat in den letzten 20 Jahren eine rasante Entwicklung erlebt. Der Ort ist sehr alt, bereits die Inkas haben ihre Spuren hinterlassen. Seine Bedeutung bezog er vor allem aus seiner strategisch günstigen Lage zum heutigen Argentinien und Boliven. Eine kleine Oase ist San Pedro jedoch schon lange nicht mehr.Der Tourismus ist Haupteinnahmequelle. Mittlerweile tummeln sich über 80 Reiseagenturen, die Touren in die Umgebung anbieten. Und es gibt wahrlich ganz einzigartige Naturwunder, die so viele Menschen sehen wollen! Wir reihen uns da brav ein.

Zu Fuß erkunden wir das Tal des Todes (Valle de la Muerte), es liegt nur ca. 5 Kilometer von San Pedro entfernt. Von der Straße führt eine Sandpiste in diese berühmte Schlucht, in der einzigartige Felsformationen zu bestaunen sind. Was Sonne, Wind und Wasser so alles erschaffen können! Mittendrin liegt noch eine große Sanddüne, die von einigen Unermüdlichen als Sandboarding-Hügel benutzt wird. Einige Agenturen bieten zweistündige Touren an, in denen man zunächst eine kurze Einführung ins Fahren bekommt und dann ein paarmal die Düne runterfahren kann. Mit Snowboardbrettern geht es also durch den Sand. Nun ja, wer es mag… Am Ende der Schlucht gibt es einen Aussichtspunkt, der einen tollen Blick über das Tal und bis zum Horizont mit den Anden erlaubt. Wir bleiben so lange, wie es die Sonne zulässt. Die ist wirklich unerbittlich und sticht vom Himmel. Ohne Sonnencreme und Kopfbedeckung geht hier nichts. Aber in der Hängematte in unserem Hostel können wir uns gut erholen. Heiko wird von zwei Chinesinnen „gefeiert“, weil er ihnen die Flamme am Gasherd anzündet. Offensichtlich kannten sie so etwas nicht und brachen in Begeisterungsrufe aus. Heiko, der Feuergott!

Den Sonnenuntergang im Mondtal (Valle de la Luna) lassen wir uns auch nicht entgehen. Die von den Naturkräften geformten Felswände leuchten im Abendlicht besonders intensiv und locken jeden Tag viele Bewunderer an. Der Blick zu den Anden mit den zahlreichen aktiven und inaktiven Vulkanen ist grandios.

Ca. 100 Kilometer entfernt liegen auf 4200 Meter Höhe die Lagunen Miscanti und Meniques. Dort sind Flamingos und eine Entenart zu Hause. Es gibt einen kurzen Wanderweg, der beide Lagunen verbindet, herrlich bei klarer Luft, Sonne und blauem Himmel. Nur die Temperatur ist mit 2 Grad gewöhnungsbedürftig! Unfreiwillig bleibt unsere kleine Reisegruppe dort länger als geplant, da der Reisebus eine Panne hat. Unser Guide organisiert an der dortigen Schutzhütte aber ein kleines Frühstück, so dass wir die Wartezeit gut überbrücken können  – zumal bei der Aussicht.Nur ein chinesischer Mitreisender ist hart dran: er verträgt die Höhe nicht und da er weder Englisch noch Spanisch spricht, kann er auch nicht verstehen, was gerade passiert ist und wir dort oben länger als geplant ausharren müssen. Uns macht die Höhe nichts aus, vielleicht weil wir viel Mate-Coca-Tee trinken. Letztlich können wir die Tour fortsetzen und noch den Salar de Atacama, einen riesigen Salzsee, besuchen. In kleineren Lagunen haben insbesondere Flamingos ihren Lebensraum gefunden. Bedroht ist diese Naturlandschaft durch wirtschaftliche Interessen. Ganz in der Nähe liegt die größte Lithium-Mine Chiles, die jeden Tag riesige Mengen Wasser abzieht. Das ist bereits am Wasserstand der Lagune zu spüren. Auch noch andere Metalle und Mineralien gibt es dort, die viel Geld einbringen. Es bleibt abzuwarten, was dort in den nächsten Jahren passiert.

Ein echtes Highlight heben wir uns für das Ende unseres Besuchs auf: ein Abstecher zu den Geysiren im El Tatio Tal. Wir werden bereits um fünf Uhr morgens abgeholt, damit wir rechtzeitig zum Sonnenaufgang in diesem auf 4300 Meter Höhe gelegenem Hochtal sind. Ich habe alle meine warmen Sachen angezogen, echtes Zwiebelprinzip, um die Minusgrade (-12 Grad) auszuhalten. Aber der Anblick lohnt die Eiseskälte! Es dampft und brodelt aus zahlreichen Erdlöchern in diesem höchstgelegenem Geysirfeld der Welt. Im Morgenlicht ist das Schauspiel am besten zu beobachten, deshalb der frühe Start. Das Wasser ist ca. 85 Grad heiß. Wir werden eindringlich gewarnt auf den markierten Wegen zu bleiben, da es ansonsten sehr gefährlich werden kann. Trotzdem kommt es wohl immer wieder zu Verletzungen und Todesfällen, weil einige Menschen besonders spektakuläre Fotos machen wollen. Auf der Rückfahrt haben wir Glück und bekommen noch einige Vinkunjas zu sehen, eine Kamelart, die in dieser Höhe lebt. Toll! Wir beschließen nochmals kurz nach Argentinien, genauer nach Salta, zu fahren, um dann von dort aus nach Bolivien zu reisen.

 

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