Potosi

Potosi ist eine Stadt mit zweifelhaftem Ruf. Sie wurde bereits 1545 gegründet, kurz nachdem reiche Silbervorkommen im „Hausberg“, dem Cerro Rico, entdeckt worden waren. Die Spanier haben sofort mit der Ausbeutung begonnen und fast drei Jahrhunderte lang ihre Staatsausgaben mit den Silberfunden finanziert. Potosi war einmal die größte Stadt Amerikas und auch eine der reichsten im 16./17. Jahrhundert (angeblich würde das hier gefundene Silber ausreichen, um eine Brücke von Südamerika nach Europa zu bauen – unvorstellbar oder?). Für die indigene Bevölkerung war und ist Potosi „Eingang zur Hölle“. Unter schlimmsten Bedingungen wurde und wird hier gearbeitet. Nachdem die Silbervorkommen weitgehend ausgebeutet waren, wurde kurzfristig Zinn abgebaut. Heute können nur noch Erzreste abgebaut werden, allerdings nur, indem mühsam Stück für Stück Gestein gesprengt wird. Organisiert wird dies mittlerweile durch Bergbaukooperativen, die auch sog. „Minenbesichtigungstouren“ anbieten. Die Arbeitsbedingungen sind für uns unvorstellbar. Sogar Kinder/Jugendliche arbeiten dort, mangels Alternativen. Die Lebenserwartung der Arbeiter beträgt ca. 40-45 Jahre. Wir entscheiden uns letztlich gegen solch eine Besichtigungstour, obwohl sie den Kooperativen auch wiederum Geld einbringen.

Die Altstadt von Potosi ist Weltkulturerbe. Dies ist vor allem dem kolonialen Erbe geschuldet. Zahlreiche, reich ausgestattete Barockkirchen sind zu bewundern und auch einige andere koloniale Bauten. Berühmt ist die „Moneda“, die Münzprägestätte, die sich inmitten des Zentrums befindet und heute ein Museum ist. Dort erleben wir die bisher schlechteste Führung unserer Reise, ein Mensch, der offenbar gar keine Lust auf seine Aufgabe hat. Schade!

Der Besuch der Kirche San Francisco, die älteste der Stadt, ist dagegen sehr schön. Wir bekommen eine exklusive Führung zu zweit. Zum Abschluss können wir auf den Kirchturm steigen und haben dort eine tolle Aussicht über die Stadt und den Cerro Rico.

Potosi liegt auf über 4000 Meter Höhe und ein Teil der Straßen ist sehr steil, was das Gehen beschwerlich macht. Noch unangenehmer ist aber die starke Luftverschmutzung durch die vielen Kleinbusse, die das Hauptfortbewegungsmittel sind. Die rattern in großer Anzahl die Straßen rauf und runter und stoßen schwarze, übelriechende Qualmwolken aus. Angeblich müssen alle Busse regelmäßig zu einer Art technischen Untersuchung, was aber offensichtlich nicht funktioniert. Wir hatten teilweise Probleme beim Atmen und bekamen auch leichte Kopfschmerzen. In der Zeitung haben wir einen großen Artikel über diese Problematik entdeckt, das Bewusstsein ist also da. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftig auch etwas für die Verbesserung der Situation getan wird.

Ein Kommentar

  1. Wieder sehr schöne und für mich als Nichtkenner Südamerikas lehrreiche Eindrücke in Text und Bild von Orten, zu denen man so ohne weiteres auch gar nicht gelangt. Ich sehe Euch im Anschluss schon auf Vortragsreise.

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