Nationalpark Torotoro/Cochabamba

Von Sucre aus geht es weiter nach Cochabamba, einer sehr quirligen Stadt fast in der Mitte von Bolivien. Sie ist fast genauso alt wie Sucre und Potosi, hat aber nicht deren kolonialen Charme. Zumindest in Teilen ist es eine sehr moderne Stadt, die sich viel Mühe gibt fortschrittlich zu sein. Über der Stadt thront eine überdimensionale Christus-Statue „Christo de la Concordia“, von  der aus sich die ganze Ausdehnung des Häusermeeres zeigt. Ein schöner Aussichtspunkt, der jedoch auch auf das Smogproblem in dieser Stadt aufmerksam macht. Trotzdem gefällt es uns hier, obwohl wir eigentlich nur einen kleinen Stopp auf den Weg zum Nationalpark Torotoro einlegen, der ca. 130 Kilometer entfernt liegt.

Torotoro ist berühmt wegen der faszinierenden Berglandschaft, mit ihren zahlreichen fossilen Funden, Dinosaurierspuren (teilweise 60 Millionen Jahre alt!) und sehr tiefen Schluchten (Canyons) und Höhlen. Abenteuerlich ist schon der Weg dorthin. Für die knapp 130 Kilometer benötigt der Mini-Bus vier Stunden Fahrzeit. In Cochabamba gibt es eine Straße, in der die Busse nach Torotoro abfahren. Allerdings gibt es keinen festen Fahrplan, sondern es gilt das Prinzip „warten bis der Kleinbus voll besetzt ist und dann los…“. Wir sind gegen 8.00 Uhr morgens dort und erfahren, dass es nur noch einen Sitzplatzt im bereitgestellten Bus gibt. Also warten! Und das heißt für uns gut 3,5 Stunden. Dann sind alle 11 Plätze besetzt und es geht endlich los. Mit uns im Bus eine sehr, sehr alte Dame, die zurück nach Hause fährt mit Riesengepäck, u. a. einen Korb mit Huhn, welches im Bus mitfahren darf (das hat sich Heiko so gewünscht…). Die erste Stunde fahren wir auf einer asphaltierten Straße, dann wechseln wir für den Rest der Strecke (noch 3 Stunden) auf eine Kopfsteinpflasterstraße mit kleineren Schotterabschnitten. Ein ziemliches Gerüttel in flottem Tempo, aber in grandioser Landschaft. Auf dem Weg nehmen wir dann noch ein paar Passagiere mit, die nur ein Stück des Weges mitfahren wollen. Für sie gibt es zwar keinen Sitzplatz mehr, was aber niemanden stört. Sie quetschen sich auf den Fußboden zwischen einige Gepäckstücke, so dass wir letztlich 17 Personen im Bus sind. Kurios!

Torotoro ist eine aufstrebende Kleinstadt. Es ist zu spüren, dass immer mehr Touristen hierher den Weg finden. Es wird viel gebaut, trotzdem wirkt es noch authentisch. Es gibt viele kleine Läden, in denen man sich seine Sachen zusammen suchen muss. Käse gibt es nur beim Fleischer, Milch nur in einem bestimmten Kiosk…

Die einzelnen Touren in die Umgebung sind alle nur mit einem Guide zu machen. Dafür gehen wir morgens um 7.30 Uhr zum Büro des Nationalparks und zahlen die Eintrittsgebühr und dann weiter zum zentralen Sammelpunkt für die Touren. Dort müssen wir angeben, was wir anschauen wollen, werden in eine Liste eingetragen und wenn dann 6 Leute zusammengekommen sind, wird der Guide bezahlt und es geht los. Wir treffen einen jungen Mitreisenden aus unserem Hostel, der wie wir die Schlucht „El Vergel“ besuchen möchte. Hendrik ist 18 Jahre alt und besucht hier Freunde, die ein soziales Jahr machen. Von unserer Guide-Frau wird er für unseren Sohn gehalten. Wir schauen alle ein bisschen verdutzt, müssen dann lachen und die Situation aufklären. Los geht es! Zunächst bewundern wir ein paar versteinerte Dinosaurierpuren, die Paläontologen hier entdeckt haben. Einige sind so riesig; ich kann mir kaum vorstellen wie solch 30 Meter hohen Tiere ausgesehen und in der Landschaft herumgestreunt sind. Anschließend geht es dann zum Canyon, der zunächst klein und eher unscheinbar beginnt, sich dann nach ein paar Kilometern zu einer grandiosen tiefen Schlucht öffnet. Ein wirklich beeindruckendes Panorama. An der tiefsten Stelle ist er fast 400 Meter tief! Wir laufen 900 Stufen bis zum Grund der Schlucht und dann wieder 900 hinauf. Auf fast 2600 Meter Höhe ein gutes Konditionstraining.

Am nächsten Tag nehmen wir uns dann zwei andere spektakuläre Ziele vor. Zunächst geht es zu den Höhlen von Itas, die auf 3800 Meter Höhe liegen. Wasser und Wind haben einzigartige Felsformationen geschaffen. Auf einem Rundweg können wir verschiedene Höhlen erkunden und zwischendurch gibt es dann immer wieder tolle Ausblicke in die Landschaft. Anschließend geht es zu einer Tropfsteinhöhle (caverna de Humajalanta), die wirklich .sensationell ist. Ich habe so etwas bisher noch nicht erlebt. Das war jetzt wirklich einmal Abenteuer! Wir bekommen alle Schutzhelme mit Lampen daran und dann bewegen wir uns durch diese Höhle. Bewegen heißt, krabbeln auf allen Vieren, abseilen, auf dem Po rutschen und quer durch wirklich sehr enge Zwischenräume quetschen (das ist nichts für Menschen mit Klaustrophobie). Obwohl es kalt in der Höhle ist, wird uns allen schnell sehr warm. Vermutlich habe ich alle Muskeln mindestens einmal bewegt. An einer Stelle lässt uns der Guide anhalten und alle Lampen löschen, unglaublich wie dunkel es ist!!! Nach gut zwei Stunden freuen wir uns dennoch, dass wir wieder ins Sonnenlicht dürfen… Als wir zurück in Torotoro sind, wollen wir in Ruhe einen Kaffee und Pancake genießen. Da aber gerade das Endspiel der Champions-League läuft, wird das nichts mit der Ruhe. Fan-Taumel wie in Deutschland! Erfreulicherweise sind nur noch 25 Minuten zu spielen und ich bekomme draußen einen Platz ohne Blick auf den Fernseher. Toller Tag!

 

2 Kommentare

  1. Ich fände ja jetzt wäre mal ein ausführlicher Bericht des Spiels Argentinien-Brasilien fällig. Habt ihr bestimmt aufmerksam verfolgt 🙂

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