Titicacasee (Copacabana/Bolivien und Puno/Peru)

Bevor wir Bolivien verlassen, machen wir noch einen Stopp in Copacabana, einem berühmten Wallfahrtsort kurz vor der Grenze zu Peru und wunderschön gelegen am Titicacasee (der Strand in Rio de Janeiro hat von hier seinen Namen). Der See (15 mal so groß wie der Bodensee) ist tiefblau und glasklar und liegt ganz ruhig da in dieser kargen Hochgebirgslandschaft.Die Idylle trügt jedoch, weil der See hochgradig verschmutzt ist und sich seit Jahren in eine biologische Todeszone durch Müll, Schwermetalle und Klärschlamm verwandelt. Wir verbringen hier ein paar Tage Ruhe nach unserem Dschungelabenteuer. Von unserem sehr schönen Hotelzimmer können wir direkt auf den See schauen. Toll! Im Garten des Hotels grasen auch drei Lamas. Sie sind ganz entzückende Haustiere und werden von den Gästen begeistert gefüttert.Und wenn man nicht schnell genug mit dem Fress-Nachschub (sie sind verrückt nach Honig-Pops) ist, bekommt man einen aufmunternden, aber energischen Anstupser verpasst.

Eine Kuriosität findet vor den Türen der Kathedrale statt. Dort werden regelmäßig neue Fahrzeuge durch einen Priester gesegnet. Die Autos stehen blumengeschmückt in einer langen Reihe vor der Kirche und die stolzen Besitzer warten geduldig auf Weihwasser und Segen. Sachen gibt’s!

Von Copacabana werden täglich Bootstouren zur Sonneninsel (Isla del Sol) angeboten. Das ist die größte Insel im Titicacasee und war ein Heiligtum für die Inka-Kultur. Angeblich hat sich von hier aus das Inkareich entwickelt. Heute ist die Insel ein beschauliches Eiland, was zum Wandern und Entspannen einlädt. Da allerdings die drei Inselgemeinden untereinander verfeindet sind, können die Wege jeweils nur bis zur Gemeindegrenze erwandert werden, dann muss man umkehren. Total blöd!

Es dauert nur ca. eine halbe Stunde um mit dem Bus bis zur peruanischen Grenze zu kommen. So schnell und unproblematisch haben wir bisher noch keinen Grenzübertritt erlebt. Bis nach Puno, unserem nächsten Ziel, dauert es dann noch ein bisschen. Diese Stadt liegt auch direkt am See und wir wollen von hier aus die schwimmenden Inseln der Uru besuchen. Das Volk der Uru hat sich vor den Inkas auf diese Inseln geflüchtet und es ist ihnen gelungen, sich sämtlichen Übergriffen zu erwehren. Wir haben im Vorfeld sehr unterschiedliches darüber gehört und uns letztlich entschlossen, es doch anzuschauen. Die Bootstour umfasst auch den Besuch einer weiteren Insel (Isla Taquile), die etwas weiter entfernt liegt.

Nun, unsere Eindrücke sind zwiegespalten. Es ist sehr interessant und eindrücklich, zu sehen, wie es den Urus gelungen ist, nur aus Schilf diese Inseln zu bauen. Es ist eine schwere und sich ständig wiederholende Arbeit. Alle zwei bis drei Wochen muss die obere Schilfschicht erneuert bzw. neu aufgeschüttet werden. Das darunterliegende Schilf versetzt sich langsam. Insgesamt gibt es ungefähr 50 Inseln, auch einen Kindergarten und eine Schule. Wir haben allerdings den Eindruck, dass nur noch ein Teil der Menschen dort wirklich dauerhaft lebt. Ein großer Teil kommt nur hierher zurück zu den ‚Vorführungen‘ für die Touristen und den Souvenirverkauf. Das hat dann schon etwas von Disneyworld. Es bleibt abzuwarten, wie sich das über die Jahre weiterentwickelt. Vielleicht bleibt nur eine Art von Museumsdorf?

Auf der Taquile-Insel gibt es keine Autos, Motorräder oder Fahrräder. Hier muss alles zu Fuß auf zum Teil sehr steilen Wegen bewegt werden. Ein wenig erinnert mich die Landschaft an Griechenland. Alles ist hier noch sehr ursprünglich und traditionell. Im übrigen eine gemeinschaftliche Entscheidung der Bewohner. Vor einigen Jahren gab es Bestrebungen, hier Hotels, Restaurants und Seilbahnen zu bauen, also eine touristische Infrastruktur zu etablieren, was jedoch abgelehnt worden ist. Mal sehen, wie lange es so bleibt.

 

2 Kommentare

  1. Vielleicht doch noch mal kurz zurück nach Uruguay?
    In dieser Woche wurde hier in allen Zeitungen gemeldet: Als erstes Land weltweit verkauft es nun selbst angebautes Cannabis – in Apotheken an Freizeitkiffer.

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