Tingo Maria und Tarapoto (Nordosten Perus)

Niemand kennt wahrscheinlich diese Städtenamen. Kein Wunder, sie liegen im Nordosten von Peru, da wo der Dschungel beginnt und sich kaum ein Tourist hin verirrt. Nach den Großstadteindrücken wollten wir etwas anderes und … Das haben wir bekommen!

Wir starten nachmittags in Lima und fahren erst einmal fast zwei Stunden durch die Stadt bzw. die immer trister werdenden Vororte bis der Bus sich dann langsam die Anden hocharbeitet. Es gibt nur diese eine Verbindungsstrecke ins Hinterland, dementsprechend voll ist es. Zudem wird auch hier kräftig gebaut, so dass es immer wieder zu kleinen Staus kommt. Wir sitzen bequem in unserem Luxusbus, werden mit Essen und Trinken versorgt und mit DVD’s bei Laune gehalten. Es geht in zunehmend enger werdenden Serpentinen erst hoch in die Anden und dann wieder herunter. Kurz vor Mitternacht verstehen wir dann, warum der Busbegleiter vorsorglich jedem eine Plastiktüte überreicht hat! Einige Passagiere vertragen die vielen Kurven nicht und fangen an zu würgen… oh, je! Uns geht es gut und wir machen uns dann bei Morgengrauen auf zu unserem Hotel. Nach dem Ausschlafen erkunden wir das kleine Städtchen Tingo Maria. Es liegt an der Andenostseite, ist umgeben von dicht bewaldeten Bergketten und hat ganzjährig ein warmes bis heißes Klima (allerdings kühlt es nachts immer ab, so dass es gut auszuhalten ist). Wir haben den Eindruck, dass wir hier fast die einzigen Touristen sind. Nach den vorherigen Eindrücken eine neue Erfahrung und prompt rufen uns einige kleine Jungs vom Schulhof aus „Gringos“ hinterher, begleitet mit freundlichem Winken und lachenden Gesichtern. Ein schönes Erlebnis haben wir abends im Restaurant. Als Heiko der Bedienung sagt, dass er kein Fleisch ist, schlägt sie ihm „Hühnchen“ oder „Fisch“ vor! Letztlich gibt es dann Gemüse und Salat für ihn und für uns beide einen sensationellen Pisco Sour!

Am nächsten Tag besuchen wir den nahegelegenen Nationalpark von Tingo Maria. Dort findet sich in einer Tropfsteinhöhle der seltende „Fettschwalm“. Das ist ein nachtaktiver Vogel, der über eine Art Echolotsystem (wie bei den Fledermäusen) verfügt. Leider sind die Vögel in der schummrigen Umgebung nur in Schemen zu erkennen. Richtig Krach macht eine Horde Papageien, die im Eingangsbereich der Höhle nisten. Anschließend fahren wir noch zu einem Wasserfall, der eine beliebte Badestelle und Ausflugsziel für die Menschen der Umgebung ist. Ganze Großfamilien schieben sich den steilen Weg herauf, um sich dann ein bisschen abzukühlen. Schöner Platz!

Durch das Huallangatal geht es dann Richtung Norden weiter nach Tarapoto. Das Tal war einmal eines der größten Drogenanbaugebiete (Coca) von Peru, die Reise also ziemlich gefährlich. Das hat sich geändert. Wir fahren durch eine grüne Landschaft mit vielen Kaffee-, Kakao- und Bananenplantagen. Leider ist die Strecke nur ca. zur Hälfte asphaltiert, so dass wir in unserem PKW ziemlich durchgeschüttelt werden und viel Staub mitbekommen. Unser Hostel in Tarapoto entschädigt für die Mühen der Anfahrt. Tolles Zimmer und ein leckeres italienisch inspiriertes Frühstück, allerdings liegt das Haus etwas außerhalb der Innenstadt, so dass wir häufig eines der zahlreichen Mototaxis nehmen. Die Fahrer sind echt nervenstark, da wird dicht aufgefahren, in Dreier-Reihen gefahren und gehupt, gehupt, gehupt… Aber es funktioniert, nur wir sind irritiert.

Wir überlegen, ob wir von hier aus noch einmal einen Abstecher zum Amazonas machen sollen. Allerdings sagen uns die Angebote nicht so zu bzw. wir empfinden sie als überteuert. Letztlich entscheiden wir uns dagegen. Wir besuchen den kleinen Ort Lamas, der wenige Kilometer von der Stadt entfernt liegt. Dort lebt noch eine größere indigene Gemeinde, die auf einem Markt auch eigene Produkte anbietet. Wir haben Glück und finden dort eine einheimische Fremdenführerin, die mit uns einen ausgiebigen Spaziergang durch das Dorf unternimmt und uns zu einer kleinen privat geführten Kakao-, Bananen- und Palmenplantage begleitet. Der Besitzer und sein Sohn empfangen uns sehr freundlich, wir dürfen frische Kokosnuss und Mandarinen probieren. Der Sohn hat neun Jahre in Barcelona gearbeitet, ist dann aber zurückgekehrt, weil ihm das ‚roboterhafte‘ Leben dort nicht gefallen hat…

Ein Kuriosum ist in Lamas auch zu finden. Ein italienischer Privatmann hat sich dort ein mittelalterliches Schlösschen bauen lassen. Es ist zu besichtigen und wird auch für Ausstellungen und Events genutzt. Echt schräg, so mitten in Peru! Aber es ist eine weitere Attraktion und kurbelt den Tourismus an. Am nächsten Tag machen wir uns dann auf, um weiter nach Chachapoyas mit dem Minibus zu reisen. Uns lockt die berühmte, aber wenig bekannte Festung der Wolkenkrieger…

 

 

4 Kommentare

  1. Toll, aber was ist aus Galapagos geworden?

  2. Beeindruckend! Und gut, dass ihr so reisefest seid! Bist du das Viola unterm Wasserfall?
    Bringt ihr etwas Coca mit? Kann man in der Behörde sicherlich wunderbar weiterzüchten. Dann können die Raucher ihre Pausen auch am Arbeitsplatz verbringen. 😉

    • Keine Bikinifotos von mir in diesem Blog! Und Coca dürfen wir leider nicht einführen, nicht einmal als Tee!!! Du hast aber Recht, für viele bekannte Gestalten könnte es sehr hilfreich sein…

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