Chiclayo

Wir hatten uns vorgenommen, ein paar Tage an der Küste Nordperus auszuspannen (im Klartext: Strandtage, ohne Programm), bevor wir dann nach Equador weiterreisen wollten. Aber auf dem Weg dorthin entdecken wir noch Spannendes, so dass wir es zunächst nur bis nach Chiclayo schaffen. Die Stadt an sich ist wenig einladend, aber die Umgebung hat einiges zu bieten. Wir besuchen im Nachbarort Lambayeque ein Museum, was wirklich spektakulär ist. Bisher das beste Museum in Südamerika, angeblich das meistbesuchte in Peru! Und das wirklich zu Recht: Tolles Gebäude, klare Aufteilung, gelungene museumspädagogische Gestaltung und sensationelle Fundstücke. Im “ Museo National Tumbas Reales de Sipan“ (so der vollständige Name) werden Grabschätze eines Königs und eines Priesters ausgestellt, die beide dem Volk der Moche angehörten, einem Volksstamm, der dort in der Nähe lange vor den Inkas gelebt hat. Spannend ist auch die Entdeckung der Grabkammern (ca. 30 Kilometer östlich von Chiclayo) und wohl eher zufällig passiert: einem peruanischen Archäologen fiel 1987 auf, dass auf dem ‚Schwarzmarkt‘ für Kunsthändler plötzlich viele wertvolle Artefakte auftauchten. Mit Kollegen gelang es ihm zu rekonstruieren, dass Grabräuber in der Nähe von Chiclayo einen lukrativen Fund gemacht hatten. Die Archäologen nahmen nun eine systematische Suche des hiesigen Pyramidenfeldes vor und entdeckten die beiden oben erwähnten Gräber. Der Grabschmuck und die Beigaben sind wirklich außergewöhnlich. Handwerklich in Teilen so filigran und kunstvoll, dass wir beide nur staunen können. Leider waren keine Fotoaufnahmen gestattet, so dass ihr nur ein – quasi halb legales – Handyfoto findet. Echt lohnenswert! Wer mehr über die Moche Kultur wissen möchte findet es hier 

Am nächsten Tag besuchen wir das erste private Naturschutzgebiet in Peru. Diese Station kümmert sich auch um Wildtiere, die nicht artgerecht in Zoos oder Privathaushalten lebten. Die Tiere werden zunächst in der Station in Gehegen gehalten und es wird versucht, sie irgendwann wieder auszuwildern, was aber nicht immer gelingt. Wir sind ganz angetan, von einem kleinen Brillenbären, der die Besucher sehr freudig begrüßt – natürlich auf der Suche nach Futter. Diese Bärenart ernährt sich hauptsächlich von Früchten. Kurzentschlossen opfern wir unsere Mandarinen, die sehr dankbar entgegen genommen werden. Wermutstropfen ist nur der sehr anstrengende, extrem schlechte Anfahrtsweg. Diese Piste (Geröllhalde?!) fordert dem Auto und den Insassen einiges ab, für die 16 Kilometer brauchen wir gut eine Stunde Fahrzeit.

Die Pazifikküste ist nur 11 Kilometer entfernt, so dass wir – im überfüllten Kleinbus- einen kurzen Abstecher wagen. Der Küstenort Pimentel hat sich Mühe gegeben mit einer Strandpromenade, vieles ist aber noch improvisiert. Fünf Kilometer südlich entfernt befindet sich das kleine Fischerdorf Santa Rosa, so dass wir beschließen, zu Fuß am Strand dorthinzulaufen. Keine gute Idee! Der Strand und die nähere Umgebung sind ziemlich vermüllt, wir sehen sogar tote Seelöwen am Strand, um die sich offensichtlich niemand kümmert. Das Schlimmste für uns ist aber eine Abwasserleitung kurz vor Santa Rosa, die direkt ins Meer führt. Leider, leider bestätigt das nur unseren Eindruck von Peru. Abfall, insbesondere Plastikmüll, wird achtlos weggeworfen und niemand stört sich daran. Wenn wir im Supermarkt die Plastikbeutel verweigern, werden wir immer irritiert angesehen. Hier gibt es großen Nachholbedarf!

 

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