Medellin

Für gut 300 Kilometer braucht der Bus fast 7 Stunden (allerdings mit Mittagessen-Stopp). Die Straße nach Medellin ist an unzähligen Stellen aufgerissen bzw. wird verbreitert, so dass sich die Fahrzeit deutlich verlängert. Hinzu kommen einige Polizeikontrollen, die entweder alle Pässe der Passagiere einsammeln und kontrollieren oder auch noch zusätzlich stichprobenhaft Gepäckkontrollen durchführen. Mühsam, aber wir werden entschädigt durch eine schöne, abwechselungsreiche Landschaft durch die wir fahren. Die erste Überraschung erwartet uns am Busbahnhof: wir finden zunächst keinen Taxifahrer, der uns zu unserem Hostel bringen will (Fahrzeit ca. 15 Minuten). Es geht uns allerdings nicht alleine so, auch noch ein paar andere Reisende erleben das Gleiche. Wir kommen mit einem Argentinier – der auch nicht versteht, was das Problem ist – ins Gespräch und dessen Hostel ganz in der Nähe von unserem liegt. Gemeinsam überreden wir einen Taxifahrer uns dorthin zu fahren, was letztlich gelingt.

Am nächsten Morgen erkunden wir einen Teil der Stadt  – mit dem Fahrrad! Mit einem Guide und zwei Holländern machen wir uns auf den Weg. Das ist zunächst etwas abenteuerlich, da wir auf dem Weg ins Zentrum die normalen Autostraßen benutzen müssen. Und der Verkehr in dieser Millionenstadt ist schon bemerkenswert! Aber alles geht gut und bald wechseln wir dann auf Radwege, die im Zentrum gut angelegt sind. Medellin ist in Nord-Südausrichtung angelegt, im Westen und Osten, die Berghänge hoch, befinden sich in großen Teilen die ärmeren Viertel und Slums. Wir erfahren, dass wir dort besser nicht allein hinfahren. Im Vergleich zu den anderen Großstädten, die wir bereits gesehen haben, sind wir aber sehr positiv überrascht. Vieles ist sehr modern, sauber, gut organisiert und sicher. Die Zeiten der alles beherrschenden Drogenkartelle ist vorbei, obwohl ist natürlich noch ganz viel zu bewältigen gibt.

Es gibt unzählige Parks in der Stadt, die kleine Ruheoasen bilden. Wir radeln durch einen riesigen Sportpark, der kostenlos zahlreiche Trainingsangebote für die Bewohner macht. Das Angebot reicht vom Freizeitsport bis zur Olympiateilnahme. Vorbildlich! Auch Kunst im öffentlichen Raum spielt eine große Rolle. Viele Wände zieren originelle Graffiti- Kunstwerke und in den Parks sind Skulpturen und Installationen zu sehen. Dem wohl bekanntesten kolumbianischen Künstler, Fernando Botero, ist ein ganzer Platz gewidmet. Zahlreiche Skulpturen von ihm sind mitten in der Stadt ausgestellt.

Beeindruckt sind wir auch hier von den riesigen Shopping – Malls, die es auch hier fast in jedem Stadtteil gibt. Einen Regennachmittag nutzen wir, um uns dort genauer umzusehen. Am Schluss ist Heiko ganz glücklich, weil er ein Medellin T-Shirt findet.

Auch in der Umgebung von Medellin gibt es ein paar reizvolle Orte, die wir besuchen. Um die Energieversorgung der Großstadt zu sichern, wurde bereits in den 1970er Jahren ein Staudamm in einem der vielen Täler um Medellin gebaut, dessen See eine faszinierende künstliche Landschaft geschaffen hat. Zwischen den Tälern schauen unzählige Inseln und Halbinseln aus dem Wasser. Sehr schön können wir das von einem Granitmonolithen überblicken, der einsam in die Landschaft ragt. Nach knapp 700 Stufen erreichen wir die Spitze! Tolle Aussicht! Dann geht es noch ein Stückchen weiter in den kleinen Ort Guatapé, der am Ostufer des Stausees liegt und für seine bunt verzierten Häuser bekannt ist. Wir bummeln ein wenig durch die Gassen, die so mitten in der Woche etwas verschlafen wirken. Trotzdem eine schöne Atmosphäre.

In Santa Fé de Antioquia begegnet uns wieder ganz viel koloniales Erbe. Der Stadtkern ist Zum größten Teil noch original erhalten geblieben, was der Stadt ein sehr eigenes Ambiente verleiht. An ihren Rändern sind bereits zahlreiche Ferienanlagen und Spaßbäder entstanden, um Touristen anzulocken. Das funktioniert wohl auch sehr gut, wenn auch momentan noch auf einheimische Gäste beschränkt. Wir laufen durch die schmalen Straßen und freuen uns über die Einblicke, in die großen kolonialen Anwesen. Die Innenhöfe, zum Teil in exklusive Hotels umgebaut, sind beeindruckend.

Unser nächstes Ziel ist Cartagena, legendäre Küstenstadt an der Karibik. Wir erfahren von einer Schweizerin aus unserem Hostel, dass die Busfahrt 15 Stunden dauert; sie ist die Strecke einen Tag vorher von Cartagena aus gekommen. Kurzentschlossen disponieren wir um und buchen uns einen Flug dorthin (Flugzeug 1 Stunde!). Allerdings ist die Taxifahrt zum Flughafen von Medellin denkwürdig: der Taxifahrer versucht seinen eigenen Rekord dorthin zu brechen, statt 50 Minuten brauchen wir letztlich nur 35 Minuten… Er freut sich total, dass er so schnell war. Ich spüre meinen angespannten Armmuskeln vom krampfhaften Festhalten noch Stunden später (Gurte gab es natürlich auch nicht)…

2 Kommentare

  1. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass Fahrrad fahren in Cartagena auch nur etwas für Mutige und Geräuschunempfindliche ist. Ich bin gespannt auf eure Eindrücke….

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